
Möbelstile und Stilmöbel: Eine kurze Führung durch Stilmöbel und Möbelstile. Alle Epochen von Barock bis Bauhaus im historischen Überblick.
Der Name Barock (von 1640 bis 1730) stammt wahrscheinlich aus dem portugiesischen "barocca" und ist die Bezeichnung für unregelmäßige Perlen. Barock steht vor allem für eine gewisse Überladenheit, Schnörkel, rollen- u. spiralenförmige Möbelbeine, Intarsien aus Metall und Holz, Bronzebeschläge und dekorative Applikationen. Die letzte Periode wurde aufgrund ihrer verspielten Anmut als Rokoko deutlich abgegrenzt. Ausgehend von Italien entfaltete sich der Barockstil auch bei uns voll, während er in Nordländern als barocker Klassizismus eine eigenständige Ausprägung erfuhr. Die österreichische Kunst der Möbelverarbeitung orientierte sich an der Spätgotik und am Manierismus. Viele Exponate waren von der alpenländischen Holzschnitzkunst inspiriert.
Das Rokoko (von 1720 bis 1770) besticht durch Kleinteiligkeit, Zierlichkeit und durch verfeinerte Ornamentierung. Dadurch hebt es sich von Monumentalität und Pathos des Barock ab. Das französische Wort ist abgeleitet von "rocaille" für Grotten- und Muschelwerk. Diese spielerischen Motive tauchten in ausladenden Verzierungen und schwingenden Linien in auf- und abschwellenden Formen immer wieder auf. Der Hang zur Bequemlichkeit äußerte sich in zierlichen und eleganten Möbeln. Durch Einlagen von neuen Werkstoffen, wie Rosenholz oder Glasperlen, wurde die Intarsienkunst nachhaltig bereichert.
Um 1770 kehrte man zu den Konstruktionsgesetzen der Antike zurück - und damit zu klaren, einfachen Linien. Edle Furniere aus Mahagoni mit fein ziselierter Bronze entstanden nach altertümlichen Vorbildern. Palisander, Thuja, Tulpen- und Ebenholz kennzeichnen die Möbel der folgenden Stilepoche.
Das Empire (von 1795 bis 1830) war ein repräsentativer Stil, der Macht zum Ausdruck bringen sollte - und das auch auf beeindruckende Weise tat. Möbel waren kühl gediegen und zeigten gute Proportionen. Wenig Farbe, meist Weiß, rang mit goldenen Applikationen um Aufmerksamkeit. Dunkles, rotes Mahagoniholz harmonierte mit Beschlägen aus Bronze. Kommoden und Schränke erschienen schwerer, weil sie auf Sockeln standen und auch im offenen Zustand (in sich) geschlossen wirkten. Nicht selten waren die behäbigen Möbelwerke mit Gesimsen und Emporen verziert.
Halbzeit in d(ies)er Geschichte
Darauf folgte das Biedermeier, das von 1825 bis 1848 zum Inbegriff der Bürgerlichkeit wurde. Die Wohnkultur wurde zugänglicher. Schlichtheit und Behaglichkeit regierten. Die gutbürgerliche Möbelkunst schuf sich ein liebenswürdiges Mobiliar mit leicht gebogenen Formen und gedrechselten Beinen an Tischen, Schränken und Kommoden.
Der Historismus (von 1850 bis 1900) verarbeitete frühere Trends in Serie. Ornamentik, Blumen und Schnörkel griffen von den Textilien auf das Mobiliar über. Um die Mitte des Jahrhunderts wuchsen die Formen ins Üppige. Die Konturen wurden ausladender. Man liebte reiche Plüsch- und Sammet-Bespannungen. Dunkle Blumenmuster in schweren Farben wucherten. Um 1870 "entdeckte" man erneut die Renaissance, Altdeutsch war wieder sehr gefragt.
Der Jugendstil (von 1895 bis 1910) beeinflusste viel mehr das Handwerk als die Kunst. Der Stil war dekorativ und verfügt bis heute über großes Ansehen. Die Grundzüge sind weit ausschwingende und Naturformen nachempfundene Linien. Schöne Werkstoffe wurden entdeckt. Jeder Gegenstand - vom Essbesteck bis zur Tapete - wurde liebevoll neu erfunden. Blumen und Tiere wurden zu beliebten Motiven für Verzierungen, wenn deren Form sich leicht in Linien umwandeln ließ. Auch die menschliche Gestalt wurde zum Leitmotiv.
Art deco (von 1910 bis 1935) ist charakteristisch für mondänes Mobiliar. Exotische Hölzer und prätentiöse Materialien wie Schildpatt erzielten verblüffende Wirkung. Nach dem Ersten Weltkrieg verbreitete sich dieser Stil in Windeseile, wurde aber ebenso schnell wieder abgelöst.
Und zwar von der Gegenbewegung: dem Modernismus, genannt Bauhausstil. Walter Gropius gründete 1919 zu Weimar das "Bauhaus". Kunst und Technik sollten eine Einheit bilden. Viele dieser Möbel sind heute Klassiker. Ihre Ästhetik und die aus der Funktion entwickelte Form unterliegen keiner Mode und sind zeitlos. Denn Architekten, Künstler und Handwerker schufen gemeinsam mit Technikern und Industriellen erstklassiges Gebrauchsgut zur gewerblichen Fertigung.
So geschieht es auch noch heute bei Lutz. Aber das ist eine andere Geschichte.